Rauchversuche als Grundlage für präzisen Brandschutz im Bestand
Was auf den ersten Blick an einen Streich von Halbstarken erinnert, ist in Wirklichkeit hochpräzises Engineering: Mit einer Nebel-Simulation wurden in Graz reale Rauchversuche in Doppelstockwagen durchgeführt – ein entscheidender Meilenstein für die Modernisierung älterer, noch gut nutzbarer Schienenfahrzeuge.
Ausgangssituation: Bestandsfahrzeuge treffen auf moderne Anforderungen
Die Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH (GKB) plant 21 ehemalige Doppelstockfahrzeuge aus dem Baujahr 1994 (DoSto94) der Deutschen Bahn zu modernisieren und künftig im österreichischen Streckennetz einzusetzen. Da sich auf den Strecken Abschnitte mit Tunneln befinden, müssen auch aktuelle Sicherheitsanforderungen der Tunnelrichtlinien TSI SRT und EN 45545-1 berücksichtigt werden. Die rund 30 Jahre alten Fahrzeuge sind konstruktiv natürlich nicht auf diese Normen ausgelegt. Hier kommt das Smart Concept von FOGTEC zum Einsatz. Ein durchdachtes Brandschutzkonzept, welches durch den Einsatz verschiedener Brandmeldekomponenten weitreichende bauliche Maßnahmen obsolet macht.
Herausforderung: Komplexe Luftströmungen in Doppelstockwagen
Doppelstockfahrzeuge stellen besondere Anforderungen an die Branddetektion. Luftströmungen verlaufen nicht linear, sondern verteilen sich über mehrere Ebenen, Treppenbereiche und technische Zonen.
Standardisierte Platzierungen von Rauchmeldern führen hier schnell zu ineffizienten Lösungen, entweder mit zu vielen Komponenten oder mit unzureichender Detektionssicherheit.
Lösung: Reale Rauchversuche mit Bühnennebel
Um diese Komplexität zu beherrschen, wurden vor Ort in Graz umfangreiche Rauchversuche durchgeführt. Mithilfe von kleinen Kaminen und künstlichem Nebel konnten reale Strömungsszenarien simuliert und sichtbar gemacht werden.
Auf dieser Grundlage wurden die Strömungswege analysiert und kritische Detektionspunkte identifiziert. Somit konnte die Anzahl und Position der Melder exakt bestimmt werden.
Das Ergebnis ist eine ingenieurtechnisch optimierte Lösung, die ohne pauschale Überdimensionierung auskommt und gleichzeitig eine zuverlässige Früherkennung gewährleistet.
Sicherheitskonzept: Früherkennung statt Notstopp im Tunnel
Da die betriebliche Sicherheit im Tunnel ein zentraler Aspekt des Projektes ist, ist die Zielsetzung, dass der Zug im Brandfall nicht unmittelbar zum Stillstand kommt.
Das Smart Concept von FOGTEC ermöglicht die frühzeitige Alarmierung des Zugpersonals, so dass der Zug gezielt bis zum nächsten sicheren Haltepunkt außerhalb des Tunnels weiterfahren kann.
Damit leistet das Brandmeldesystem einen wesentlichen Beitrag zur Evakuierungssicherheit und Betriebskontinuität.
Eingesetzte Systeme und Leistungen
In die verschiedenen Fahrzeugbereiche werden gemäß der Analyse unterschiedliche Komponenten eingesetzt:
Die Fahrgasträume und WC-Bereiche werden mit Rauch- und Multikriterienmeldern mit akustischen Soundersockel ausgestattet.
Multikriterienmelder detektieren sowohl Rauch als auch Temperatur und lösen aus, sobald vordefinierte Schwellenwerte erreicht bzw. überschritten werden.
Die Doppelstockwagen werden jeweils mit einer Control Power Unit (CPU) der FOGTEC Serie 3000+ ausgestattet. Ihre Relaismodule übertragen die Alarmsignale der Melder direkt über die fahrzeugeigene UIC-Leitung an den Lokführer.
Die Doppelstockwagen sind jeweils mit einer Steuer- und Leistungseinheit (CPU) der Serie FOGTEC 3000+ ausgestattet. Deren Relaismodule leiten die Alarmsignale der Melder über die fahrzeugeigene UIC-Leitung direkt an den Lokführer weiter.
Fazit: Präzision statt Pauschallösung
Das Projekt zeigt, dass moderne Brandschutzkonzepte im Bestand vor allem eines erfordern: ein tiefes Verständnis der realen Bedingungen.
Die Versuche mit Kaltrauch waren dabei nicht nur ein anschauliches Experiment, sondern die Grundlage für eine wirtschaftlich und technisch optimierte Lösung.
So wird aus einem älteren Bestandsfahrzeug ein normkonformes, zukunftsfähiges System für den Einsatz im österreichischen Schienennetz, ohne unnötige Eingriffe, aber mit maximaler Sicherheit.
