Ein Bild im Kopf – und wie es wirklich war
Was stellen Sie sich vor, wenn Sie „Testauslösung der Hochdruck-Wassernebel-Brandschutzanlage in einem Zug“ hören? Eine Art Sommerregen im Zugabteil wie in einem Fantasyfilm? Vielleicht ähnlich dem KI-generierten Bild?
Die Realität war etwas nüchterner, dafür aber umso wichtiger: FOGTEC führte gemeinsam mit der IFAB und dem Kunden Stadler Bussnang AG einen Test in den neuesten Fahrzeugen im Stadler-Werk in Erlen durch. Die gute Nachricht vorweg: Der Test war erfolgreich und alles funktionierte wie vorgesehen. Die vermeintlich schlechte Nachricht? Es sah bei Weitem nicht so spektakulär aus wie auf dem Bild…
Echte Technologie statt Hollywood-Feuer
Der Test wurde präzise vorbereitet: Nach der Planung am Computer wurde ein halber Tag für den Aufbau vor Ort benötigt. Dann ging es los. Zwei Rauchmelder (der Serie 5000) wurden mit Prüfgas ausgelöst. Diese meldeten den vermeintlichen Brand an die zentrale FOGTEC-Steuerung (CPU), welche daraufhin die Brandschutzanlage aktivierte.
Die Brandschutzanlage besteht typischerweise aus Wasser- und Stickstoffflaschen, die entweder unter dem Zug oder, wie in diesem Fall, auf dem Dach in einer Trägereinheit montiert sind. Der Stickstoff erzeugt den nötigen Druck, um das Wasser durch dünne Edelstahlrohre zu den Düsen in den Zugabteilen (Wagen, Toiletten, Führerstand etc.) zu transportieren.
Der Härtetest: Druck am entferntesten Punkt
Gezielt wurde der am weitesten von den Druckbehältern im Zug entfernte Bereich ausgelöst. Wenige Sekunden nach der Aktivierung der Melder sprühte Wassernebel aus den Düsen. Ziel war es zu überprüfen, ob am entferntesten Punkt der Anlage innerhalb der vorgegebenen Transportzeit ausreichend Wasser mit adäquatem Druck ankommt.
Nach etwa zehn Minuten war der Test beendet. Wie vorgesehen waren die Behälter in der Trägereinheit leer, und der Test war abgeschlossen. Das Ergebnis: Alles in Ordnung. Und niemand wurde nass. Anders als im KI-Bild wurde das austretende Wasser aufgefangen, um Druck und Volumen exakt messen zu können.
Effizienz statt Überflutung
Auch im Ernstfall bleibt der Innenraum trocken – zumindest dort, wo kein Brand ist. Dies ist einer der Vorteile der Hochdruck-Wassernebel-Technologie: Mit vergleichsweise wenig Wasser wird eine hohe Löschwirkung erzielt. Die Anlage wird nur in dem Bereich ausgelöst, in dem tatsächlich ein Brand detektiert wurde; die umliegenden Bereiche werden nicht besprüht.
Zudem kann der Hochdrucknebel im Fahrgastraum ohne Vorwarnung aktiviert werden, und die Türen müssen nicht geschlossen werden. Das System wirkt schnell, lokalisiert den Brand und schafft sichere Zonen für Fahrgäste und Personal.
Warum der ganze Aufwand?
Auslösetests wie dieser sind oft Teil des Zulassungsprozesses – zum Beispiel bei Projekten, die der italienischen Norm UNI 11565 folgen. Diese legt Anforderungen an Brandschutzsysteme in Schienenfahrzeugen fest, einschließlich Funktions- und Leistungstests.
Eine UNI-Zulassung war für dieses Projekt nicht zwingend vorgeschrieben. Dennoch entschied sich die Stadler Bussnang AG, den Test aus Sicherheitsgründen und aufgrund des einzigartigen Systemdesigns durchzuführen.


